1983 – 22 besondere Sekunden zum 1. Mai

Einige Jahre lang gehörte die Lyra-Feier in Osnabrück am Herrenteichswall am Vorabend des 1. Mai fast jedes Jahr zu unserem Programm. Beim ersten Mal, 1983, herrschte besondere Aufregung: Das Radio hatte sich angekündigt.

1983, Singen am Layra-Stein

Aus der Erinnerung von Jo Meinert:

Die Lyra-Feier am Vorabend des 1. Mai war nach dem Wunschkonzert in der Stadthalle der zweite Auftritt, der durch Intervention Günther Tiesmeyers (Anmerkung: damaliger Vorsitzender des Sängerkreises Osnabrück) zustande kam. Zusammen mit der Osnabrücker Chorgemeinschaft und der Kapelle des Ratsgymnasiums sollten wir die Feier umrahmen. Zwei Tage vor dem Ereignis bekam ich einen Anruf von der Kulturabteilung der Stadt Osnabrück: „Der NDR und der WDR kommen. Die Feier wird am 1. Mai im Rundfunk zeitversetzt gesendet“. Große Aufregung und Geschäftigkeit bei den Chormitgliedern. Zusatzproben? Dafür war keine Zeit mehr! Wir mussten unsere Verwandten, Bekannten, Gönner unseres Chores und Neider aus anderen Chören anrufen: „Schaltet am 1. Mai um 11.05 Uhr den NDR ein“!
Für die Stellprobe und Mikrofonprobe der Rundfunkübertragung hatten wir uns schon frühzeitig eingefunden. Der WDR hatte wieder abgesagt, aber es herrschte immer noch genügend Hektik und Betriebsamkeit. Man stolperte über Kabel und wurde von den Helfern umgerannt. Einige Mikros wurden in die angrenzenden Bäume installiert, und bei der Funktionsprüfung kam die Kommunikation aus Sopran und Alt voll über die Lautsprecher – Chorprobe im Freien!
Aber wozu der ganze Aufwand? Für 22 Sekunden, die im Radio zu hören sind: „Der Mai ist gekommen …………mit Sorgen zu Haus“. Nicht mehr und nicht weniger.

Original Mitschnitt der damaligen Radiosendung vom NDR zum Maisingen am Lyrastein. Die berühmten 22 Sekunden des Gemischten Chores Harderberg starten bei 0:55 Minuten.

1975 – Die ältesten Tonaufnahmen

Hier kommen wir zu zwei besonderen Stücken aus unserer Chronik: Die ältesten Tonaufnahmen des Gemischten Chores Harderberg, aufgenommen im Jahr 1975 anlässlich der Orgelweihe in der Harderberger Kirche. Gesungen wurde unter der Leitung von Martin Hein „Groß ist der Herr“ von Carl Phil. Emanuel Bach und das „Deutsche Magnificat“ von Wilhelm Heinrichs. Letzteres wurde für die Orgelweihe neu einstudiert und vom damaligen Domorganisten Winfried Schlepphorst an der Orgel begleitet. 
Heinz Nölker, damals 1. Vorsitzender des Chores berichtet: Nach dem Festgottesdienst kam der Orgelsachverständige der Diözese, Monsignore Dr. Rahe, auf uns zu und sagte: „Ich grüße den großen Chor“.

Aus den Erinnerungen von Jo Meinert:

„Groß ist der Herr“ hat der Chor einmal unter meiner Leitung, wenn auch unfreiwillig, gesungen. Geplant war zum Dirigentenwechsel die sogenannte Stimmgabelübergabe am 21.1.1979 während eines Festgottesdienstes in der Harderberger Kirche. Die ersten beiden Lieder sollte der scheidende Chorleiter Martin Hein dirigieren, dann sollte ich die Leitung übernehmen.
Der Termin kam mir höchst ungelegen, da meine Eltern einen Tag vorher ihre Silberhochzeit feierten. Die Reaktion einiger Chormitglieder auf meine diesbezüglichen Bedenken um meine Fitness am nächsten Tag erheiterte und amüsierte mich. Singen und dirigieren erhält zwar jung und frisch, aber wie unter 25 Jahre sah ich dann doch nicht aus. Ich merkte förmlich, wie es bei einigen „Klick“ machte. Aber es machte auch wieder „Klack“: Mein Vater hat nach dem Tode meiner Mutter wieder geheiratet.
Mit der symbolischen Stimmgabelübergabe wurde es dann nichts. Martin Hein war plötzlich erkrankt, und ich dirigierte deshalb auch „Groß ist der Herr“